Eigengewächse führen Neuzugänge

Das Patenmodell beim Heider SV

Integration im Fußball findet in erster Linie auf dem Platz statt – im täglichen Trainingsbetrieb, beim gemeinsamen Schweißvergießen und im Spiel. Doch wie schnell sich ein neuer Spieler wirklich heimisch fühlt, entscheidet sich oft an den vielen kleinen Details abseits des Rasens: Wie sind die Abläufe? An wen wende ich mich bei alltäglichen Fragen? Welcher Geist herrscht in der Kabine?

Um unseren Neuzugängen, die diesen Sommer den Weg in unser Oberliga-Team gefunden haben, das Einleben so leicht wie möglich zu machen, geht der Heider SV in dieser Saison einen gezielten Weg: Jedem Neuzugang wird ein erfahrener Spieler als Pate zur Seite gestellt. Ein Paradebeispiel für dieses Modell ist das Tandem aus Thede Reimers und Rafail Lampros.

Verantwortung auf viele Schultern verteilen

Die Entscheidung für die Patenschaften ist beim HSV eine ganz bewusste Strategie. „Wir verfügen über eine Mannschaft mit einem hohen Leistungsniveau und haben in diesem Sommer viele sehr junge Neuzugänge verpflichtet“, erklärt Leif Hahn. „Uns war es wichtig, den Integrationsprozess gezielt zu unterstützen. Der Pate ist der erste Ansprechpartner für alltägliche Fragen – egal ob es um Abläufe in der Mannschaft, organisatorische Themen oder das Ankommen im neuen Umfeld geht. Das baut Hemmschwellen ab und beschleunigt die Integration.“

Gleichzeitig dient das Modell der Entwicklung der eigenen Führungsspieler. Führung soll beim Heider SV nicht allein auf den Schultern des Kapitäns ruhen, sondern von mehreren Persönlichkeiten im Team getragen werden.

Dass dabei gezielt auf clubeigene Gewächse gesetzt wird, hat gute Gründe: „Unsere Eigengewächse kennen den Verein, seine Werte und seine Kultur oft seit vielen Jahren. Sie können Neuzugängen nicht nur bei sportlichen Themen helfen, sondern unsere Identität authentisch vermitteln. Für sie ist die Rolle zugleich eine Wertschätzung ihrer bisherigen Entwicklung“, so Leif weiter. „Am Ende entsteht eine echte Win-win-Situation: Die Neuzugänge finden sich schneller zurecht, und unsere Führungsspieler wachsen in ihrer Rolle.“

Wie sich diese Theorie in der Praxis anfühlt, zeigt der Blick auf Thede Reimers und Rafail Lampros. Thede ist im Verein groß geworden und übernimmt als Pate nun erstmals selbst eine Führungsrolle für einen neuen Teamkollegen.

„Erst war es wirklich ungewohnt“, gesteht Thede schmunzelnd. „Gefühlt war ich selber noch vor einer Woche 18 Jahre alt. Dadurch habe ich aber auch gemerkt, wie viel ich in der ganzen Zeit schon gelernt habe, und freue mich sehr, dieses Wissen jetzt weitergeben zu können.“

Dass dieses Wissen und die Unterstützung ankommen, bestätigt Rafail, der erst seit Kurzem beim Heider SV aufläuft: „Die ersten Wochen haben richtig Spaß gemacht und man konnte schon viel dazulernen. Die Trainer und Spieler sind gut drauf und haben mich super aufgenommen.“ Über seinen Paten Thede findet Rafail nur positive Worte: „Wir verstehen uns sehr gut. Gerade in den ersten Wochen war er immer da für mich, wenn ich jemanden zum Reden brauchte, und hat mir die ganzen Abläufe im Verein gezeigt.“

Tradition vorleben & Familiensinn spüren

Was macht den Heider SV eigentlich aus – und was sollte jeder neue Spieler so schnell wie möglich verinnerlichen? Für Thede steht das fest: „Der Heider SV ist ein unfassbar traditionsreicher Verein. Es ist wirklich ein besonderes Gefühl, in diesem Stadion und vor diesen Fans zu spielen. Diese Atmosphäre sollte jeder Spieler schnell kennenlernen.“

In die Verantwortung innerhalb des Teams hineinzuwachsen, empfindet er als Ehre und Ansporn zugleich: „Das bedeutet mir sehr viel. Es ist aber auch eine große Herausforderung, in die man nach und nach reinwachsen muss.“

Für Neuzugang Rafail ist der Kern des Vereins nach seinen ersten Wochen bereits greifbar nah: „Der Heider SV ist sehr familiär. Trainer, Spieler und der ganze Staff sind sehr gut drauf und kümmern sich wirklich gut um einen.“

Ein Satz für die Saison

Bleibt am Ende die Frage, welches Fazit ein Neuzugang nach seiner ersten Saison beim Heider SV ziehen sollte. Thede hat dafür eine ganz klare Hoffnung formuliert – und spricht damit wohl allen Heidern aus der Seele: „Wenn mein Paten-Spieler am Ende der Saison einen Satz über den Heider SV sagen soll, wäre das hoffentlich: ‚Was für ein geiler Verein!‘“

Mit der gelebten Kameradschaft, dem Engagement der Eigengewächse und dem starken Zusammenhalt im Team ist der Grundstein für genau dieses Gefühl bereits gelegt.