


Ein Text von Fiete Neumann
Manche nennen ihn Betreuer, andere Teammanager. Doch eigentlich ist Martin Holzwarth – von allen nur liebevoll „Holzi“ genannt – viel mehr als das: Er ist der Mann, der den Laden zusammenhält. Wenn im Stadion das Flutlicht angeht, hat Holzi meist schon einen organisatorischen Marathon hinter sich. Wir haben mit unserem „Unsung Hero“ über den ganz normalen Wahnsinn am Spieltag gesprochen.
Das Interview der „altmodischen Art“
Schon das Vorgespräch zu diesem Artikel zeigt, warum Holzi so geschätzt wird: Authentischer geht es nicht. Wer eine schicke E-Mail oder ein PDF erwartet hatte, kennt Holzi schlecht. Seine Antworten kamen als Foto via WhatsApp – handgetippt auf einem Blatt Papier, das er zuvor am PC in Word erstellt und ausgedruckt hatte. „So Fiete, die altmodische Art… Word!“, schrieb er dazu. Genau diese Mischung aus Bodenständigkeit und vollem Einsatz macht ihn aus.
Bevor der Kladderadatsch losgeht
Für Holzi beginnt der Spieltag, wenn die meisten Fans noch beim Frühstück sitzen. Er ist fast immer der Erste am Stadion. Denn wer denkt, es ginge nur darum, ein paar Bälle aufzupumpen, der irrt gewaltig. Sein Pensum ist beachtlich:
„Nebenbei frage ich Hanko elfmal, ob er noch Hilfe braucht, und trinke zwischendurch auch mal eine Tasse Kaffee“, schmunzelt er.
Rettung in der Not: Die Marktkauf-Story
Dass Holzi für seinen Verein wortwörtlich sein letztes Hemd (oder Geld) gibt, beweist eine Geschichte aus seiner Zeit bei den Damen. Kurz vor Anpfiff der Schock: Die Torhüterin hatte ihre Handschuhe vergessen. Es war Samstagnachmittag, alle Sportläden hatten bereits dicht. Doch Holzi fackelte nicht lange: Er raste zum nächsten Marktkauf, kaufte von seinem eigenen Geld ein Paar Handschuhe und rettete den Einsatz. „Leider hielten sie nur ein halbes Spiel“, erinnert er sich lachend, „dann musste die Mutti der Spielerin doch nochmal losfahren.“
Planung ist alles: Wenn der Bus rollt
Geht es auf Auswärtsfahrt, wird Holzi zum Chefstrategen. Bereits am Montag davor sitzt er mit „Bus-Vogt“ aus Albersdorf zusammen. Routen, Pausen und Ankunftszeiten werden minutiös getaktet. Auch die Verpflegung ist Chefsache: Vom Kuchen des Sponsors Nordsee-Bäcker bis zum Schnitzelbrötchen sorgt Holzi dafür, dass kein Spieler hungrig auf den Platz muss.
Holzi im Check: Der Spieltag-Takt
| Stadion-Check | 1x täglich |
| Aufstellungs-Deadline | 30 Minuten vor Anpfiff |
| Ankunft Auswärts | 90 Minuten vor Anpfiff |
| Planungstermin | Immer montags |
Ein emotionales Finale
Nach einer langen Saison mit täglichen Stadionbesuchen – auch an freien Tagen schaut er nach dem Rechten – blickt Holzi nun auf das letzte Heimspiel. Es ist eine Zeit der gemischten Gefühle. „Freude, aber auch Tränen“, gesteht er. Er genießt die letzten 90 Minuten mit der Mannschaft in dieser Konstellation, bevor es in den wohlverdienten Urlaub zur Familie geht.
Eines ist sicher: Wenn der Rasenroboter nächste Saison wieder seine Runden dreht, wird Holzi als Erster da sein. Denn ein Verein ohne seinen „Unsung Hero“? Das wäre wie ein Fußballspiel ohne Ball.